Die Rheinpfalz, Nr.75/2008, von Gereon Hoffmann:
Stahlsaiten-Suiten
Gitarrist Christian Straube begeistert beim Musik- und Kulturverein Weisenheim am Sand mit vielfältigem Programm
Christian Straube macht Musik, die verzaubert. Das erlebten die Zuhörer sehr deutlich in der ausverkauften Schänke des Weingutes Langenwalter in Weisenheim am Sand. In der gemütlichen Atmosphäre fühlten sich der Gitarrist und sein Publikum sehr wohl.
Schöne Melodien, die ins Ohr gehen und Harmonien, die auch das Gemüt berühren, sind ein wesentliches Merkmal von Straubes Kompositionen. Er kann aber auch anders, nämlich kräftig hinlangen und rocken, auch das zeigte er an diesem Abend.
Straube ist ein klassisch ausgebildeter Gitarrist. Seine eigenen Kompositionen spielt er aber nicht auf der Konzertgitarre, die Nylonsaiten hat, sondern auf Stahlsaiten-Gitarren. Vom spieltechnischen her ist das kein kleiner Unterschied und für die meisten Gitarristen gibt es nur "entweder-oder". Straube hat es aber geschafft, viele klassische Elemente in seine Spieltechnik zu integrieren. Das hört man vor allem an der Tonbildung - etwas, das bei vielen Stahlsaiten-Zupfern keine große Rolle spielt.
Ein schönes Beispiel an diesem Abend, wo das jeder hören konnte, waren die ersten Töne der "Silberdistel". Da klang die Gitarre ganz warm und rund. Im ersten Satz der "Rohirim Suite" hörten wir einen klassischen Tremolo-Anschlag, der ursprünglich eigentlich aus dem spanischen Flamenco kommt.
Straubes Kompositionen sind musikalisch anspruchsvolle und durchdachte Werke, die Geschichten erzählen, Stimmungen vermitteln und Gefühle erzeugen. Auch das unterscheidet ihn von vielen Fingerpickern, die über zwei- und viertaktige Motive kaum hinaus kommen.
Den konzertanten Anspruch seiner Musik betont Straube, indem er mehrere Stücke zu Suiten zusammenfasst. Das kam in der Langewalter- Schänke auch gut an, das Publikum ließ zwischen den Sätzen brav die Hände unten, ließ die Stimmung weiter wirken und Straube weiter spielen. So entfaltete die Musik noch besser ihre Wirkung - allerdings erfordert das von den Zuhörern auch mehr Konzentration und "Stillsitzen" und auch für den Künstler ist das anstrengender. Aber die erzielte Wirkung rechtfertigt das und das atemlos lauschende Publikum hat die Musik intensiver aufgenommen.
Wurzeln in Rock und Blues
Wie viele andere Gitarristen hat Straube in seiner Jugend Rock und Blues gespielt. Zu diesen Teil seiner Wurzeln bekennt er sich mit Stücken wie "Goin' Old Man", das Rory Gallagher gewidmet ist und die "Pferdefrau" erinnert mit den fetzigen geschlagenen Akkorden an Pete Townshend, den energischen "Who"Gitarristen.
Im zweiten Teil des Konzertes waren die bretonischen Einflüsse stärker zu hören. Straube liebt das Finistère, den westlichsten Teil der Bretagne, wo noch bretonisch gesprochen wird und die raue Landschaft uralte keltische Legenden birgt. "Fleur Lanniliz" ist eine Suite, die einem Städtchen an der Aber-Küste gewidmet ist. Im ersten Satz hörten wir einen bretonischen Tanzrhythmus.
Zum Abschluss die Unvollendete
Der dritte Satz lässt eine lebhafte Melodie und dazu einen kontrapunktischen Bass hören, das klingt schon fast wie zwei Instrumente. In den bretonischen Melodien hören wir deutlich die typischen Triller, Schleifer und anderen Verzierungen, die in der originalen Folklore von der Bombarde, einem der Oboe ähnlichen Blasinstrument, gespielt werden. Besonders deutlich fällt das bei "Fest Noz" auf. Die Zuhörer waren sehr angetan und ließen sich gerne von Straubes lyrischer Erzählmusik verzaubern. Ganz zum Schluss, zur wirklich allerletzten Zugabe, durften sie sogar mitmachen, als Straube ihnen eine Melodie eines noch gar nicht fertigen Stückes vorstellte, die Leute mitsingen durften und alle zusammen eine Menge Spaß hatten.